Sonntag, 31. Juli 2016

Gelesen und gefunden bei Joel Haahtela


"Ich erinnere mich, dass sie kleine Holzschatullen sammelt. Sie stehen überall herum, eine schöner als die andere.
Als ich einmal danach fragte, was sie mit all den Schächtelchen macht, bekam ich keine Antwort.
Jan erklärte mir, dass in jedem Kästchen etwas liegt und das Haus voller versteckter, vergessener Dinge ist.
Bilder, Zeichnungen, Briefe- öffnet man eine der Schachteln, führt sie vielleicht Monate oder Jahre zurück in eine Zeit, die längst vergessen war."

 (Joel Haahtela, Sehnsucht nach Elena, Piper 2009 München, S.40ff)

Collecting memories in scattered caskets, like in Joel Haahtelas "Elena". 
Drawings, pictures, letters, finding them later- recalling time.
 

Mittwoch, 27. Juli 2016

Kunst und Resonanz: In Rodins Garten Teil 1






























Kunst und Resonanz. Kunstwerke aus besuchten Ausstellungen, die in mir nachklingen, etwas auslösen, mich berührt oder irritiert haben und dies immer noch tun. Die sich dann verformen und mir in meinem Tun wieder begegnen.

Was tun, wenn es in Strömen regnet, noch immer keine Ferien sind?Wenn alle ausgeflogen sind und die Welt da draussen spinnt?
Mich erinnern...an unseren Besuch bei Rodin in Paris.Dieses Jahr im Mai. Den Garten und unbedingt das Museum dazu- weil Kind alles sehen wollte.

Ein kleines, winzigkleines Büchlein habe ich gemacht, mit Skizzen. Mit wunderbaren Erinnerungen.

This is my tiny little sketchbook with memories from Rodins garden in Paris.
We visited the garden and the entire museum this mai. It was my childs wish. 
Very classical and very wonderful.



Dienstag, 26. Juli 2016

Weiter gehen








Am Freitag hiess es hier unter Blaulichtgeflacker noch : "Weg, weg! Verlassen Sie die Innenstadt!"
Und am nächsten Tag als alles vorüber war, klangen sie immernoch in meinem Kopf: die Martinshörner, die wir die ganze Nacht hindurch hörten...
Ach, mein München...
So war es mir eine Pflicht am Montag das "Weg, weg!" in ein "Hin, wieder hin" zu verwandeln. Auch wenn es regnete.
Dem Siggi Sommer stand der Schweiss auf der Stirn- oder doch nur der Regen?
Der veroneser Julia hatte noch keiner Blumen gebracht.
Die Stadt war damit beschäftigt sich wieder zusammenzusetzen.
Und langsam, ganz vorsichtig huschte einigen Menschen wieder ein kleines, unsicheres Lächeln ins Gesicht.
Richtig so......und umso wichtiger, da dieses Lächeln ein "trotzdem" ist.

Munich puts itself together again.  



























Donnerstag, 21. Juli 2016

Weltgedanken und Gedanken an Gülsün Karamustafa...







Hört sie und seht selbst.Hier auch.

Im Hamburger Bahnhof habe ich ihre Werke gesehen.

Ich habe keine Worte, ich fühle mich zu unwissend. Aber dass es viel Grund zur Sorge gibt ist offensichtlich. Ihr Film über den Taksim Platz hat mich sehr bewegt.
Wie es ihr nun wohl geht?
Was sie im Gespräch wirklich sagen würde, wäre die Angst nicht?
Ihre Kunst ist mir den ganzen Monat nachgegangen.Immer wieder habe ich mich erinnert.
Für mich geht es in den Bildern und Installationen um die Geschichte der Türkei, es geht um Identität, es geht um den Stolz und die Würde der Frau- und um Missachtung der Rechte, die uns hier so selbstverständlich erscheinen ...da muss sie nichts sagen. Das versteht sich ganz deutlich und leise.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Baumwipfelschattierungen






Die Natur malt jeden Tag neu und wiederholt sich nie. Sie entwirft an jedem Morgen von der Welt ein anderes und neues Bild. Das Blau des Himmels ist immer ein anderes Blau. Es ziehen nie dieselben Wolken über uns hinweg. Es herrschen nie die gleichen Temperaturen und es wehen nie die gleichen Winde. Die Sonne wirft nie die gleichen Strahlen auf die Erde, und verschwindet an jedem Abend immer mit einem anderen Licht. Jeder Tag bringt uns ein anderes Gemälde von der Welt. Die Natur schmückt nicht nur die Tage mit immer neuen Bildern aus, sondern auch die Nächte. In jeder Nacht funkeln die Sterne anders, ja sogar die Dunkelheit ist immer eine andere. Kein Morgen, kein Mittag und kein Abend war schon einmal da. Es ist erstaunlich, wie viele und wie verschiedene Farben, wie viele Töne oder Düfte die Natur in ihrer Vorratskammer hat. Erstaunlicher ist jedoch, dass so viele Menschen nicht wahrnehmen, mit welchem Reichtum an Phantasie die Natur nicht nur die Tage und Nächte, sondern auch die Stunden ausschmückt. Wir Menschen scheinen nicht zu merken, dass sie ständig ihr Kleid wechselt, weil sie nicht mehr aussehen möchte, wie sie noch vor einer Stunde ausgesehen hat. Die meisten sehen die Tage immer gleich grau und die Nächte immer gleich schwarz. Kein Künstler und kein Bildschirm kann solche Bilder malen. Keine Gemäldegalerie verfügt über diese reiche Bildauswahl. Und keine Gemäldegalerie zeigt sie uns, ohne einen Eintrittspreis zu erheben. 
Walter Rupp (Quelle: "Gedanken zum  Tag", Bayern 2)

Hab´sie doch gemalt! Denn sie bietet eine endlose Fülle, die Natur.
 

Montag, 18. Juli 2016

Gelesen und Gefunden bei Italo Calvino


"Der Wind, der von weit her über die Stadt streicht, bringt ungewöhnliche Gaben mit, die nur wenige, empfindsame Seelen bemerken: Leute mit Heuschnupfen zum Beispiel, die den Pollenstaub der Blumen von fremder Erde aus ihrer Nase wieder hinausniesen.
Eines Tages sanken, wer weiß woher durch die Luft herangetragen, Sporen auf die Erdstreifen einer Allee in der Stadt nieder, und daraus wurden Pilze. Niemand bemerkte sie,außer dem Handlanger Marcovaldo, der gerade an dieser Stelle morgens in die Straßenbahn zu steigen pflegte."


 "Dieser Marcovaldo hatte keinen Blick für das Leben in der Stadt: Schilder, Verkehrsampeln, Schaufenster, Leuchtreklamen, Plakate, waren sie auch noch so ausgeklügelt, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, das alles konnte seinen Blick nicht fesseln, der über den Sand einer Wüste zu schweifen schien.
Was ihm hingegen nie entging, das war ein Blatt, das an seinem Zweig gilbte, eine Feder, die an einem Dachziegel hängen geblieben war. Keine Bremse auf der Kuppe eines Pferdes, keine Rille, von einem Holzwurm in die Tischplatte gebohrt, keine zerquetschte Schale einer Feige auf dem Bürgersteig, die Marcovaldo nicht bemerkt, über die er nicht die Erörterungen angestellt, die er nicht zum Anlass genommen hätte, dem Wechsel der Jahreszeiten, den Sehnsüchten seiner Seele und der Trübseligkeit seiner Existenz nachzusinnen."

"Er bückte sich um die Schnürsenkel fester zu knüpfen, und sah genauer hin: es waren Pilze, echte Pilze, die hier mitten im Herzen der Stadt sprossen.Marcovaldo hatte die Empfindung, als ob die graue elende Welt, die ihn umgab, mit einem Mal verborgenen Reichtum offenbare, als ob man vom Leben noch etwas erhoffen dürfe, was über dem Empfang der vertraglich geregeltenLohntüte, die Sozialversicherungen und das tägliche Brot hinausging."


( Italo Calvino, Marcovaldo oder die Jahreszeiten in der Stadt, S.9ff, Edition Büchergilde Gutenberg, 2015)



Ein feines wundersam wunderbares Buch!
  

Donnerstag, 14. Juli 2016

Film und Resonanz bei Fassbinder






























" Chinesisches Roulette" von Rainer Werner Fassbinder, 1976

Gelernt habe ich in diesem Film über Fassbinder, dass er ein filmischer Skulpturenbauer ist. Beziehungsskulpturen nenne ich sie...dadurch bekommen die Filme, nach meinem Empfinden, inklusive seiner Schonungslosigkeit etwas Monumentales. Und die Szenen prägen sich mir ein. Vermutlich noch lange.

(Bild 1 ist eine Postkarte eines Münchener Stencils von Fassbinder, darunter " Du fehlst")

Siehe hier mein Monatsmotto. Und hier das Label "Film und Resonanz".

I changed the german sunday-ritual of watching "Tatort" into watching films. Films that offer me surprises, artistic an intellectual inspirations. And then drawing or painting scenes,expressing the essence I can find for myself . This is the second film of my project.
Feel welcome to have a look here.

Dienstag, 12. Juli 2016

12x12 im Juli : Sommervorsätze

Heute gibt es keine 12 Tagesbilder, dafür aber meine 12 Sommerferien-Vorsätze:
Today my 12 pics on the 12th is more a collection of what I want to live during my summerholiday:

                                           ...fünfe gerade sein lassen und alle ab ans Wasser!


























                                  .... lesen, lesen, lesen! Oder besser gesagt: Freiluftlesen!


























... spät dran sein: mit dem Ins-Bett gehen und dann mit dem Aufstehen ( bitte, bitte, liebes Kind...)


























                                 ... des Sommers Farben und Geschmäcker genießen...


























                                                    ... Lichtgepunktetes entdecken....



























                                                        ...Gräsergeraschel lauschen....


























                                               ... unfertige Fadenspiele zum Abschluss bringen...


                                                       ... Kiesel knistern lassen....


                       .... analog fotografieren, mit der Lomo-Patina  aus anderen Zeiten...

                                                                            ...Muße...

                                                               ... Nachdenken...

                         ...in Gedanken taubengleich reisen und vom Süden träumen, erzählen...

Wir machen Ferien in der eigenen Stadt.
Im August trägt sie ohnehin ihr schönstes Gewand und macht ein warmes Herz.
Postkarten werde ich von hier schreiben, sollte sich ein Gefühl von Urlaub einstellen.
Und Urlaubsgrüße von anderswo werden von unserem Briefkasten groß und herzlich Willkommen geheissen.
Zum Meer ist es weit, zu weit...aber an Wasser wird es uns nicht mangeln.
Und es gibt einen Berg, der wartet auf mich.
Wer weiss, wer weiss...

Ich wünsche Euch einen ganz wunderbaren Sommer mit viel Farbe und Wärme , genug für den Rest des Jahres. Bis bald!

 Und mehr 12x12 gibt es wie immer hier.

Holiday in the homezone. Enjoying, reading, sleeping, beach and water, the freshness of summer, the quietness and beauty of Munich in august. A mountain to visit. Imaginary birdflight to the south of France.Thinking about life.
Postcards will be sent from at home, postcards from elsewhere are always very welcome! 
Have a nice and beautiful summer!

More participants 12x12 to be found  here.

Montag, 11. Juli 2016

Ein Glanz in Berlin: Gelesen und gefunden bei Irmgard Keun



"Wir haben hier übermäßige Lichtreklame. Um mich war ein Gefunkel."

" Alle sollten nach Berlin. So schön. Aus einem offenen Schaufenster kriegt man Reibekuchen."

" Ich sammle Sehen für ihn. Ich gucke mir alle Straßen an und Lokale und Leute und Laternen. Und dann merke ich mir mein Sehen und bringe es ihm mit."

" Und sie ( die feinen "Hermelin-Frauen" / Anm. meinerseits) sind ihre eigene Umgebung und knipsen sich an wie elektrische Birnen, niemand kann ran an sie durch die Strahlen."

(Irmgard Keun, Das kunstseidene Mädchen, List Verlag  Berlin 2009 )

Ach, Du kunstseidenes Mädchen...ein Glanz in Berlin wolltest Du sein. In den 20er Jahren, in einem Berlin, das anders aussah, sich aber heute noch mancherorts den Geist bewahrt hat...
Ernst genommen fand ich es ein sehr trauriges Buch, mit dem Wissen um die Satire wiederum ein höchst interessantes und  eine wunderbare Fundgrube an Wortschöpfungen und Poesie!


 

Geballter Eigensinn : Das Publikum...

...lässt sich kaum portraitieren....


                                                       ...es gab Grüppchenbildung...

                                                           ....gemeinschaftliches Schauen....

                                                      .... Schreckmomente...


























                                                    ... allgemeines Staunen....


























                                                                    ... Trollrufe...


                                                    ... literarische Vergleiche....


























                                 ... achja es ging um Fussball? Und huch vorbei? Wer hat´s eigentlich gewonnen?


























... achjee, und nun auch noch ein großer Kummer beim Kind, der nämlich durch das Turnier hindurch für die  Blauen war...
                                              ( und ich für meinen Teil bin  froh, dass es rum ist! )

Now that it´s over I proudly present "the audience" to you. 
I carved 26 of them while my son was watching the games. One can see a big astonishment in their faces about all that happened in and around the EM. Meantime happyness and tonight a heartbreakingly crying child, because France didn´t win...
I´m so glad that it´s over now ....but carving was fun!