Montag, 3. April 2017

Platzbeobachtung in München I


























München/Harras; 3. April 2017; 13 Uhr

Menschen, laufend, sitzend, stehend. Alleine, zu zweit, weniger zu dritt oder mehr.
Auf dem Weg. Wartend (Bus) und lesend (2xZeitung). 
Motorengeräusche aus 3 Himmelsrichtungen. Taubenflügelschläge. Stimmen.
Gespräche nebenan über das Sterben der Anderen.
Tüten rascheln, so wie die Zeitungen.
Versteckter Krähenruf.
Schlagzeilen auf 4 Zeitungskästen führen bei Lesenden zu Auf- und Abwärtsgehen. ( 3x)
Stark gebräunte Radfahrerin mit ausgeprägtem Glücksausdruck.
Taubengleitflüge.
Nebenan nun Gespräche über Bauchvenen.
2 Damen mit Einkaufstüten laufen aufeinander zu um dann mit gesenktem Blick aneinander vorbeizulaufen.
Junge im Spidermannpullover jagt brüllend Tauben.
2 Männer mit roten Cappies und gleicher Gangart.
Die Frau nebenan mit dem langen Haar und dem kaputten Knie führt Konversation mit mir.
"Sind sie Journalistin?"
3 Eis essende Mädchen auf der hölzernen Brunnenabdeckung. Daneben Schulkinder in Orgelpfeifen-Anordnung. Wieder ein Tauben jagendes Kind.
Die Frau mit dem langen Haar und dem kaputten Knie redet ununterbrochen.
Mit abgebrochenem Löffelstiel Eis essende Frau neben mir.
Die Frau mit dem langen Haar packt immer mehr Dramen aus.
Der Platz füllt sich mit Schulkindern. 
Die Menschen, die sonnengebräunter sind, sehen zufriedener aus.
Als ich gehe, geht auch die Frau mit dem langen Haar.
13 Uhr 28 Ende der Beobachtung. 

Ich danke Georges Perec für die Inspiration.

Kommentare:

  1. Menschen, die sonnengebräunt sind, sehen zufriedener aus? Hhmm.. wahrscheinlich weil sie mehr Glückshormone mit dem Sonnenlicht getankt haben. Dir einen schönen Dienstag! Herzlichst, Nicole

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    1. Glückshormone oder vielleicht Urlaube? Liebe Grüße ebenso!

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  2. "gespräche über bauchvenen"... so etwas beobachte / höre ich öfter in cafés, wo sich ältere damen treffen (ich bin auch alt, aber keine dame..) und ehrlich, ich hasse gespräche über krankheiten - als gäbe es kein anderes thema!!
    deine beobachtungen finde ich sehr spannend und nehme sie gern als inspiration!
    liebe grüße
    mano

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    1. Hihi...da musste ich, ob der Ernsthaftigkeit, auch schmunzeln..

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  3. Das ist sehr schön. Sowas mache ich als tägliche Übung in meinem Notizbuch. Und wenn ich es Jahre später lese, sind Duft und Klang und Augenblick sofort wieder präsent. Ich winke hinüber nach München. Margrit

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    1. Es fühlt sich nach einem willkommenen neuen Ritual an. Und das erstaunliche ist, was sich erwartungslos alles entdecken lässt...

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