Sie war die erste Künstlerin, die mich in der beginnenden Pubertät bewegt und berührt hat.
Ihre Portraits in Kohle. Die Hände, die Füße, der schonungsfreie Ausdruck.
Leid. Und der "Aufstand!" aus ebendiesem.
Weil Leid und Trauer dazu gehören, gehören sie abgebildet! So habe ich ihre Kunst verstanden.
Das hat mich beeindruckt und war mir ein Trost.
Hatte ich doch seit einigen Jahren mit einem Verlust zu leben, und mit dem gesellschaftlichen Phänomen, dass Krankheit,Tod und Leid lieber nicht dazugehören sollten...so legte sich eine Glocke des Schweigens über meine Welt und dann gab es Käthe Kollwitz....meine Verbündete im Erforschen dessen,was sich ausdrückt, wenn uns das Leben jemanden nimmt. Keine leicht Kunst. Auch heute nicht. Zu sehen im
Würzburger Kulturspeicher.
Sie hat mich wieder berührt. Und ich habe ihr gedankt. Für soviel Respekt und Ehrlichkeit.
Gezeichnetes Leid ist etwas anderes, als fotografiertes. Muss es doch die Augen, das Denken, das Erinnern und wenn man so will, die Seele, passieren um sich dann, mit dem was man ihm mitgibt zu verändern und zu äußern.
Die Radierungen und Zeichnungen der Ausstellung zeigen den Aufstand der Weber. Den Bauernkrieg und seine Folgen, die schwierigen Verhältnisse der Erniedrigten.
Ich musste um fotografieren zu dürfen,unterschreiben, dass ich die Fotografien nicht kommerziell nutze. Dieser Blog ist nicht kommerziell, und dennoch zeige ich Euch nur die Zug fahrende, meiner Hand entsprungene, Resonanz.
"Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind"
Käthe Kollwitz, Tagebuch November 1922
Danke, Käthe Kollwitz, für das unverschleierte hinschauen und aushalten.